Alleine unter Zelten

1800 Zelte, drei große Verpflegungszelte und eine riesige Partyhalle: Das Fan-Camp in Danzig ist seit Wochen auf den großen Fanansturm vorbereitet. Doch dieser bleibt bislang aus. Stattdessen herrscht Leere und Langeweile für die wenigen Anhänger, die sich für das Camping entschieden haben.

Von Anuscha Loza und Amelie Herberg

Fabian Fritz und Arwed Igert: Rundherum ist so gut wie nichts.

Fabian Fritz und Arwed Igert: Rundherum ist so gut wie nichts. (Fotos: Anuscha Loza/Amelie Herberg)

Fabian Fritz und Arwed Igert sind zwei einsame Männer im gelben Block. Links keine Nachbarn, rechts keine Nachbarn. Und niemand, der nachts schnarchend vom Schlafen abhält. „Das ist schon ein bisschen merkwürdig. Eigentlich haben wir uns bewusst für das Fan-Camp entschieden, um andere Anhänger kennen zu lernen“, sagt Arwed, 23, Student aus Köln. Mit seinem Kumpel Fabian ist er mit dem Bus mehr als 1000 Kilometer in die polnische Hafenstadt gereist. Mit Schlafsack und Isomatte ausgerüstet freuten sie sich auf ganz besondere Tage, auf „ein kleines Abenteuer“.

Nun sitzen sie auf dem riesigen Campingplatz vor der Danziger Werft – und sind irritiert von der Stille: 1800 Zwei-Mann-Zelte sind in militärischer Präzision aufgestellt und in Sektoren eingeteilt, jedes Zelt hat eine eigene Nummer. In ihrem Sektor sind Fabian und Arwed allerdings die einzigen Camper. Gerade einmal 100 Zelte sind an diesem Tag gefüllt – und das, obwohl am Abend in der Stadt die Partie Spanien gegen Kroatien stattfindet.

1800 Zelte sind in langen Reihen aufgebaut – nicht mal 10 Prozent von ihnen sind belegt.

Guillaume Gival vom Organisationsteam teilt die Enttäuschung der Fans: „Wir haben uns das ganz anders vorgestellt und im Vorfeld so viel Werbung gemacht. Die Lage ist gut, das Camp ist direkt an der Werft gelegen, nur zehn Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt. Wahrscheinlich liegt es am Regen.“ An den Spieltagen in Danzig habe es immer geregnet. Und auf Zelten im Regen hätten wohl selbst hartgesottene Fußballfans keine Lust. Tatsächlich beklagt auch das zweite Fan-Camp in der Umgebung, das Carlsberg-Fan-Camp im rund 20 Kilometer entfernten Sopot, fehlende Besucher.

Finanziert wurde das Fan-Camp von einem privaten Investor. Auskünfte darüber, wie hoch die investierte Summe war, möchte niemand der Verantwortlichen geben. Doch offensichtlich entwickelt sich das Camp zu einem großen Verlustgeschäft. 100 Menschen arbeiten dort, theoretisch also hat jeder Besucher seinen eigenen Mitarbeiter.

Aber vielleicht gibt es ja eine ganz simple Erklärung: Sonderlich einladend wirkt die kleine Zeltstadt nicht. Kleine “Hundehütten” in streng ausgerichteten Reihen auf Gras, drumherum kaum Leben. Fabian und Arwed haben sich bereits an den befremdlichen Anblick gewöhnt und für sich eine Lösung gefunden: „Wir essen erst mal etwas und fahren dann an den Strand. Heute Abend geht es dann in die Stadt. Dann lernen wir halt dort andere Fans kennen.“

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