Die Monotonie der Stereotypen

Natürlich sind Sportevents auch ein Beitrag für ein besseres Verständnis der Menschen untereinander. Völkerverständigung, wenn man so will. Trotzdem kursieren natürlich auch weiterhin Stereotype und es liegt in der Natur der Sache, dass sie eben vor allem stereotyp sind. Welche das sind, warum sie kursieren und was man womöglich dagegen unternehmen könnte – darüber haben wir mit einem polnischen und einem deutschen Journalisten gesprochen.

Von Karin Geupel

Adam Malecki im Gespräch mit Ewelina Markiewicz. (Foto: Karin Geupel)

Adam Malecki im Gespräch mit Ewelina Markiewicz. (Foto: Karin Geupel)

Die Polen klauen Autos. Die Ukrainer sind korrupt. Beide sind faul und gewalttätig – nicht zuletzt wegen des vielen Wodkas. Vorurteile wie diese haben sich über Jahrhunderte aufgebaut und bis heute gehalten. So ist das Bild, das viele Deutsche von Osteuropa haben, immer noch stark geprägt von der Zeit der Weltkriege und des Kalten Krieges. Auch für viele Polen und Ukrainer sind es historische Ereignisse, die die gegenseitige Wahrnehmung beeinflussen, wie zum Beispiel das Massaker von Volyn (siehe Infobox) oder die Sowjetzeit. So wurden die Polen und Ukrainer füreinander Lieblings-Feinde, besungen in Volks-Liedern, zitiert in Sprichwörtern, Gedichten und historischen Romanen: Auf der einen Seite steht der faule, dumme und schlecht gelaunte Ukrainer, auf der anderen der brutale und scheinheilige Pole.

Dass sich Vorurteile hartnäckig im Bewusstsein der jeweiligen Nationen festsetzen, liegt aber nicht nur an der Geschichte, sondern auch an der aktuellen Berichterstattung der Medien. Besonders Boulevardmedien bedienen immer wieder Stereotype. So wurde in der Bild-Zeitung rund um die EM vorzugsweise über das Geschäft der ukrainischen Prostituierten oder die gewaltbereiten Fans in Polen berichtet. Schlagzeilen wie „Der Hass des Hooligan Maciej“ waren aber auch auf den Seiten seriöser Magazine wie dem „Spiegel“ zu lesen. Die Presse in Polen und der Ukraine spielt ebenfalls gern mit Vorurteilen, um die Berichterstattung vermeintlich interessanter werden zu lassen.

Adam Malecki aus Polen spricht im Interview darüber, wie hartnäckig Stereotypen aus manchen Medien zu vertreiben sind. Friedbert Meurer vom Deutschlandfunk glaubt vor allem an eine wesentliche Rolle von Blättern wie der “Bild”, wenn es in Deutschland um Stereotype geht.

Adam Malecki

Adam Malecki ist Journalist in der Sportabteilung von Radio Trójka, der bekanntesten polnischen Radio-Station. Etwa 10 Prozent der Polen zwischen 15 und 75 Jahren hören täglich Radio Trójka. Die Radiostation setzt Trends und wirkt meinungsstiftend.

Friedbert Meurer

Friedbert Meurer

Friedbert Meurer ist Journalist beim Deutschlandradio, wo er das Ressort Zeitfunk leitet. Das Deutschlandradio ist ein Informations-Radio, in dem hauptsächlich Wortbeiträge gesendet werden. Etwa 1,5 Millionen Menschen hören täglich das Deutschlandradio, die überwiegende Mehrheit davon sind Akademiker.

 

(Interviews: Ewelina Markiewicz)

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