Glosse: Alleine unter Klein-Geistern

Wir waren da. Auf der Pressekonferenz des Deutschen Fußball Bundes im DFB-Medien-Center am Teamquartier von Poldi, Schweini und Co. Zwei große, weiße Zelte, klimatisiert und stimmungsvoll ausgeleuchtet, ausgestattet mit I-Pads, Touchscreens und mobilen Laptoparbeitsplätzen, genauso wie mit Lounge-Sesseln und einer Kaffeebar.   Wohl sollen sie sich fühlen, die Sportjournalisten und das tun sie auch. Jeden Tag kommen rund 150 von ihnen hierher um dann die neusten Informationen in die Sportredaktionen des Landes zu tickern. Wer sich nun aber ein großes, unübersichtliches Chaos vorstellt, der irrt. Eigentlich lassen sich alle Sportjournalisten in zwei Gruppen unterteilen:   Die Einen sind über 45, tragen verwaschene Fruit-of-the-Loom T-Shirts, haben eine Halbglatze, sowie einen Bierbauchansatz. Sie haben viel Ahnung, weil sie ja Sportjournalisten sind. Die Anderen sind Anfang dreißig, tragen Chucks, karierte Hemden und Lederjacken. Zumeist sind sie Freelancer oder schreiben für Online-Magazine. Sie sind sehr cool, weil sie ja Sportjournalisten sind. Diese klare Ordnung wurde in der letzten Woche plötzlich gestört. Eine neue Spezies tauchte auf in den DFB-Zelten: Mitte zwanzig, blond, trotz Absätze kleiner als 1,65 Meter und vor allem: weiblich.   Die Blicke verrieten sofort die Fragezeichen über den Köpfen der Sportjournalisten. „Wer ist das? Was tun die beiden hier? Sie sind weder cool, noch haben sie Ahnung.“ Gerne wäre wir mit einer mobilen Flipchart durch den Raum gelaufen und hätten sowohl den Coolen, als auch den Weisen die Abseitsregel erklärt, um unsere Anwesenheit zu legitimieren.   Doch dann überließen wir lieber Bundestrainer Joachim Löw auf dem Podest das Wort, beziehungsweise Günter Klein vom Münchener Merkur im Publikum. Denn die goldene Regel lautet: Keine PK ohne Günter Klein. Trainer und Spieler kommen und gehen, Günter Klein bleibt. Seit Jahren verfolgen wir die Pressekonferenzen bei großen Turnieren und seit Jahren stellt Günter Klein dort die Fragen. Auch dieses Mal zählten wir vier Wortmeldungen. Unser Ziel für die Zukunft ist daher klein: Lieber Herr Klein, eines Tagen lösen wir sie ab. Dann gibt es nicht mehr nur die Coolen und die Weisen, sondern auch die Frauen.

(Und, liebe Männer, damit ihr seht, wie das wirklich geht, bitte sehr:)

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