Letnica: Wie ein Land unter der Lupe

Letnica heißt der Stadtteil von Gdansk, in dem das neue Bernsteinstadion steht. Die Euro 2012 hat und wird hier ganz besonders Spuren hinterlassen. Von Malte Surmeier Wenn man so will, dann steht dieser Stadtteil stellvertretend für die Veränderungen in Polen. Schon während der gesamten Jahre nach dem Fall des Kommunismus, ganz besonders aber natürlich im Vor- und Umfeld der EURO 2012: 150 neue Wohnungen sollen in den Sommermonaten in Letnica fertiggestellt werden. Im Zuge der Investitionen in Gebäudesanierung und Infrastruktur zur Euro 2012 bekommt ganz Letnica ein neues Gesicht. Verwucherte Grasflächen sollen zu öffentlichen Plätzen aufpoliert, heruntergekommene Backsteinhäuser durch schöne Neubauten ersetzt werden. Als Bewohner der neuen Wohnungen wünscht sich die Stadt junge Leute und Familien, die das Bild vom durch Armut und Industrie geprägten Letnica grundlegend verändern. Das Viertel soll ein neues Zentrum werden, mit ausgebauten Straßen, Einkaufszentren und kulturellen Angeboten. Wie es heute in Letnica aussieht und was die Einwohner zu den Veränderungen sagen:

Marzena Draminska (Leiterin der sozialen Einrichtung „Gama“): „Letnica war der vergessene Stadtteil. Hier war jahrzehntelang die Zeit stehengeblieben. Für viele waren die plötzlichen Veränderungen ein Schock.“   Krzysztof (Bewohner): „Es sieht jetzt viel besser aus als vorher, der Lebensstandart ist höher. Wir haben jetzt Gasheizung und Laminat. Darüber sind meine Frau und ich sehr glücklich. Außerdem ist das Stadion nicht weit weg, ich werde mir viele Lechia Gdansk-Spiele ansehen.“

Marta Pawlik (Archivistin, Bibliothek der Polska Akademia Nauk Gdansk): „Die Euro 2012 hat in Letnica viel verändert. Vor nicht einmal zwei Jahren sah hier alles viel ärmlicher und heruntergekommener aus. Die Einwohner gehen heute freundlich auf die Fans und Besucher zu und zeigen ihnen das Stadion, auf das sie sehr stolz sind.“

Bolek (Bewohner): „Viele von uns mussten für ein halbes Jahr ausziehen, während der Renovierungen. Die neu gebauten Häuser sehen gut aus. Wir sind gespannt, was für Menschen in Zukunft in Letnica wohnen werden.“ Bewohner: „Leider ist der Stadt das Geld ausgegangen. Der Außenbezirk am Stadion ist schön, aber da wo ich wohne, sieht es noch genauso aus wie früher. Außerdem rieche ich den Gestank der Industrie und der Baustellen. Ich hoffe, die Situation verbessert sich hier bald.“ Małorzat (Mitarbeiterin bei „Gama”): „Ein Drittel der Leute ist weggezogen, hier leben noch etwa 1000 Menschen. Zu uns kommen jeden Tag 5-7 Kinder. Ich hoffe es werden junge Familien mit Kindern in die neuen Wohnungen ziehen und Letnica beleben.“

Trotz mancher Skepsis sehen die meisten Bewohner der Zukunft Letnicas hoffnungsvoll entgegen. Die Euro 2012 könnte nur der Startpunkt sein von einem Dominoeffekt, der das Äußere, die Menschen und das Leben von und in Letnica verändert. Der „vergessene Stadtteil“ von Gdansk ist wiederentdeckt worden und dürfte in Zukunft vermehrt die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Ganz persönliche Eindrücke von Letnica – hier im Video:

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